Waren es Ende der 1960er-Jahre noch 50 Operationen, wechseln die Chirurgen
der Abteilung für Endoprothetik mittlerweile rund 1500 Knie- oder Hüftgelenke
pro Jahr aus. Die Anzahl der Patienten, auch die der jüngeren, steigt, ebenso
wie der Druck auf das Klinikum Garmisch-Partenkirchen, wirtschaftlich zu
arbeiten. Grund genug, aus der bisher mit der Allgemein-Chirurgie
zusammengelegten Endoprothetik nun eine eigene Abteilung zu machen, diese neu zu
strukturieren, dem Kind einen eigenen Namen, nämlich "endogap-Klinik für
Gelenkersatz", zu verpassen, und diesen nun möglichst international und
möglichst erfolgreich am Markt zu positionieren. Zu den Top-Adressen gehört die
Garmisch-Partenkirchner Abteilung für Endoprothetik schon lange. Seit 1969
beschäftigen sich Ärzte dort zuerst unter Regie des damaligen Chefarztes
Professor Dr. Fritz Lechner und heute unter der von Chefarzt Dr. Holm Schlemmer
mit schonendem und möglichst langanhaltendem, künstlichem Gelenkersatz.
"Insgesamt wurden im Haus bisher rund 25 000 Hüften und zirka 7000 Knie
operiert. Zunehmende Bedeutung haben heute auch sogenannte Wechseloperationen,
also das Austauschen bereits in früheren Zeiten eingesetzter künstlicher
Gelenke", erklärt Schlemmer. "In den vergangenen fünf Jahren wurde die Zahl der
Eingriffe um 38 Prozent gesteigert." Wie die Entwicklung zeigt, kämen nicht nur
immer mehr ältere, sondern auch immer mehr jüngere Patienten zu ihm und seinem
14-köpfigen Gelenkchirurgen-Team, um sich einem solchen Eingriff zu unterziehen.
Schließlich könne dadurch nicht nur ein Zurück zu Lebensqualität bis hin zu
Sport ermöglicht, sondern eventuell sogar ein gefährdeter Arbeitsplatz erhalten
werden. Wie Oberarzt Dr. Christian Fulghum ergänzt, hätten sich die hiesigen
Spezialisten mit ihrer kontinuierlich erweiterten Erfahrung, mit einem
eingespielten Team und einer permanenten Weiterentwicklung der
Behandlungsmethode, die sich aus Altbewährtem und neuen Erkenntnissen
zusammensetzt, auch international schon einen |
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Namen gemacht. Fulghum: "Mittlerweile ist der für unsere Art von
Behandlung stehende Begriff ,Garmischer Schule` in Fachkreisen bekannt."
Schlemmer dazu: "Erst vor kurzem waren fünf Ärzte aus Neuseeland hier, um uns
über die Schultern zu schauen." "Mit der neuen endogap-Klinik können wir noch
effektiver arbeiten und uns noch weiter spezialisieren" Chefarzt Dr. Holm
Schlemmer Für Holm Schlemmer, den Endoprothetiker aus Leidenschaft, ist mit der
neuen endogap-Klinik im Klinikum ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen.
Schließlich könne man jetzt effektiver arbeiten sowie sich noch weiter
spezialisieren und damit fürs Haus eine gewisse finanzielle Sicherheit schaffen.
Und letztlich würden davon auch die Kunden profitieren. Mit seiner Vision, die
Anzahl der Operationen in näherer Zukunft zu verdoppeln, muss sich der Chefarzt
allerdings noch gedulden. Die räumlichen Kapazitäten der endogap-Klinik seien
dieselben wie bisher auch. Ergo fehlten für einen solchen Plan derzeit die
nötigen Rahmenbedingungen, das nötige Mehr an Betten und Personal. Grundsätzlich
will Klinikumsdirektor Wolfgang Türk Schlemmer eine Erfüllung dieses Traumes
aber nicht rauben. Auch er begrüßt die Schaffung von endogap, und jetzt müsse
man halt mal sehen. "Zwar werden auch in vielen anderen Häusern endoprothetische
Leistungen erbracht, aber eine Neustrukturierung dieser Art mit einer Klinik,
angegliedert an ein Klinikum mit all seinen anderen möglicherweise auch
relevanten Abteilungen, ist einzigartig und damit durchaus erfolgversprechend."
Auch wirtschaftlich ist die Neuerung von Türk erwünscht: "Schließlich hat der
Umsatz dieser einen von bisher elf Abteilungen am Schluss rund 12 Millionen Euro
des Gesamtumsatzes von rund 60 Millionen Euro ausgemacht." Da Kliniken
mittlerweile immer mehr unter wirtschaftlichen Druck gerieten, erhofft sich der
Direktor mit einer optimalen Vermarktung von endogap noch mehr Patienten aus dem
In- und Ausland hierher holen zu können, "was ja auch dem gesamten Ort zugute
kommen würde". |